Die Immuntherapie ist ein innovativer Ansatz in der Krebstherapie, der darauf abzielt, das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung von Krebszellen zu aktivieren. Dabei werden verschiedene Strategien eingesetzt, wie z.B. Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die die natürlichen Bremsmechanismen des Immunsystems aufheben, oder Chimäre Antigenrezeptor(CAR)-T-Zelltherapien, bei denen körpereigene Abwehrzellen (T-Zellen) genetisch so verändert werden, dass diese Tumorzellen gezielt angreifen.

Die herausragende Expertise der vier Standorte im Forschungsschwerpunkt „Immuntherapie“ macht CCC WERA zu einem Vorreiter in der Entwicklung und klinischen Umsetzung von innovativen Therapien gegen Krebs.

CCC WERA ist auf die Entwicklung der folgenden neuen, immunmodulatorischen Komponenten spezialisiert

Bispezifische Antikörper ermöglichen die parallele Bindung an zwei Antigene, wodurch eine direkte Verbindung zwischen Krebszelle und Immunzelle hergestellt werden kann. Dies ermöglicht eine gezielte Immunantwort. Diese Antikörper stellen ein vielversprechendes Konzept für die Krebsimmuntherapie dar und sind derzeit Gegenstand zahlreicher klinischer Studien.

Eine besondere Art von bispezifischen monoklonalen Antikörpern, sogenannte BiTEs (bispecific T-cell engager), wurde von Wissenschaftler:innen des CCC MF entwickelt und vom first-in-human (FIH)/ Phase I-Einsatz bis hin zur Zulassung (Blinatumomab, Blincyto®) gemeinsam mit dem Biotech-Unternehmen Micromet (heute AMGEN) weiterentwickelt. Blincyto® wird erfolgreich bei der Behandlung von rezidivierter/refraktärer akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (B-ALL) bei Erwachsenen und Kindern sowie der minimal residual disease (MRD) positiven B-ALL eingesetzt.

Weitere Informationen:

Goebeler, ME. et al., Bispecific and multispecific antibodies in oncology: opportunities and challenges. Nat Rev Clin Oncol 21, 539–560 (2024). Publikation

Die Blockade von Immun-Checkpoints ist ein Durchbruch in der Behandlung von Krebserkrankungen und kann bereits in vielen Fällen die Prognose von Patient:innen verbessern. Diese Klasse von Medikamenten hemmt gezielt Mechanismen, die Krebszellen zur Tarnung vor dem körpereigenen Immunsystem nutzen. Jedoch sind diese Mechanismen extrem vielfältig, so dass nur ein bestimmter Anteil an Patient:innen bislang von Immuntherapien profitiert. Dadurch werden neue potentielle Immun-Checkpoints zu interessanten Zielstrukturen für die Entwicklung neuer Therapien zur einzelnen oder kombinierten Anwendung gegen Krebs.

Weitere Informationen:

  • RNAi Screening zur Identifizierung neuer Immune Checkpoints bei Melanom sowie Brust- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. zum Leibniz-Institut für Immuntherapie in Regensburg
  • Tiefes und longitudinales zelluläres Immunmonitoring während der Tumorbehandlung mit klassischen Zytostatika und zielgerichteten Therapien sowie Immun-Checkpoint-Inhibitoren. zum Projekt
  • Überwindung von Resistenzmechanismen unter laufender Immun-Checkpoint-Therapie (GDF-15)
    • Melero, I. et al., Neutralizing GDF-15 can overcome anti-PD-1 and anti-PD-L1 resistance in solid tumours. Nature 637, 1218–1227 (2025). Publikation

(CAR)-T-Zelltherapien und T cells redirected for antigen-unrestricted cytokine-initiated killing (TRUCKs) sind zelluläre Immuntherapien, die auf der gentechnischen Modifikation von T-Zellen der Patient:innen beruhen.

CARs erzielen insbesondere bei Leukämien und Lymphomen große Erfolge. TRUCKs sind eine Weiterentwicklung von CAR-T-Zellen, die andere Proteine wie Zytokine produzieren, um die Immunantwort gegen den Tumor zu verstärken. Diese Eigenschaften machen TRUCKs besonders vielversprechend für die Behandlung solider Tumoren.

Beide Therapien werden für Patient:innen individuell hergestellt. Dazu werden bestimmte Immunzellen der Patient:innen aus dem Blut aufgereinigt und im Reinraum-Labor gentechnologisch so verändert, dass diese anschließend Krebszellen erkennen können. Die Immunzellen werden den Patient:innen mittels einer Infusion zurückgegeben und bekämpfen anschließend gezielt die Krebszellen.

Weitere Informationen:

  • CAR Factory:
    • Weiterentwicklung einer neuartigen Immuntherapie, die Tumorzellen für das Immunsystem wieder sichtbar macht. zum Projekt
    • T-Zell-Engineering (Hudecek Lab)
    • Grundlagenwissenschaftliche Fragestellungen: Mechanismus der CAR-vermittelten T-Zell-Aktivierung & anwendungsorientierte Entwicklung von Komponenten im CAR-Design (Leibniz-Institut für Immuntherapie in Regensburg)
  • Entwicklung und Prüfung von CARs (TRUCKs) bei soliden Tumoren (GD2-IL18 CART)
    • Fischer-Riepe L. et al., Preclinical Development of CAR T Cells with Antigen-Inducible IL18 Enforcement to Treat GD2-Positive Solid Cancers. Clin Cancer Res. 30(16), 3564-3577. Publikation
  • Immunzelltherapie gegen neues Zielmolekül (ROR1 CAR-T)
  • Modulentwicklung für einen virtuellen Zwilling für die Behandlung von Krebskranken mit CAR-T-Zell-Therapien (EU Konsortium CERTAINTY)
  • Neue Schlüsselkomponenten im Tumormikromilieu beim Multiplen Myelom und kleinzelligem Lungenkarzinom sowie die Entwicklung modifizierter CAR-T-Zelltherapien (EU Konsortium TRANSCAN)

Ein vielversprechendes therapeutisches Verfahren bei Krebserkrankungen ist die Impfung von Krebspatient:innen. Mit Hilfe dendritischer Zellen wird dabei das Immunsystem aktiviert, um gezielt Tumorzellen abzutöten. Dieses Verfahren wird derzeit hauptsächlich in klinischen Studien erprobt.

Weitere Informationen:

Eine Stammzelltransplantation wird vor allem zur Behandlung von schweren Blutkrankheiten wie Leukämie oder Lymphomen eingesetzt. Ziel ist es, die zerstörten oder erkrankten Blutzellen durch gesunde Stammzellen zu ersetzen. Die allogene Stammzelltransplantation ist eine spezielle Form der Transplantation, bei der die benötigten Stammzellen nicht vom Körper des Empfängers, sondern von einem genetisch fremden Spender stammen. Diese Art der Transplantation wird vor allem dann eingesetzt, wenn das eigene Knochenmark aufgrund einer Erkrankung wie Leukämie oder Lymphomen nicht mehr richtig funktioniert und eine Heilung mit eigenen Zellen nicht möglich ist. Dabei besteht das Risiko, dass das Transplantat das Gewebe des Empfängers als fremd einstuft und eine Abstoßungsreaktion (Graft-versus-Host-Disease) auslöst.

Ein Fokus von WERA liegt darauf, die Transplantation von Stammzellen noch wirksamer und sicherer zu machen.

Weitere Informationen:

  • Modulation der Transplantat-gegen-Wirt- und Transplantat-gegen-Leukämie-Immunreaktion nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (Sonderforschungsbereich Transregio 221)
  • Untersuchungen zur optimalen Sequenz und der Durchführung von allogenen Stammzelltransplantationen bei myeloischen Tumorerkrankungen. zur Arbeitsgruppe
    • Pagliuca, S. et al. Donor lymphocyte infusion after allogeneic haematopoietic cell transplantation for haematological malignancies: basic considerations and best practice recommendations from the EBMT. Lancet Haematol. 11(6):e448-e458. Publikation