Nach der Einladung zum Nobelpreisträgertagung erhielt Dr. Umair Munawar beim Hämatologie-Kongress in Seoul den Best Oral Presentation Award. In seinem ausgezeichneten Vortrag präsentierte der Molekularbiologe aus Würzburg seine Forschungsergebnisse, die zu einem tieferen Verständnis der komplexen Resistenzmechanismen gegenüber Immuntherapien beim Multiplen Myelom beitragen und letztlich zu wirksameren Behandlungen führen könnten.

Immuntherapien haben die Behandlung verschiedener Krebsarten revolutioniert. Vor allem beim Multiplen Myelom, das nach der Leukämie die zweithäufigste Blutkrebsart ist, zeigen sie eine beispiellose Behandlungseffizienz. Dennoch kommt es bei Patientinnen und Patienten immer wieder zu Rückfällen oder gar zu einer Resistenz gegen die gentechnisch veränderten Abwehrzellen. Warum diese so genannten CAR-T-Zellen einigen Tumorzellen nichts anhaben können, das hat Dr. Umair Munawar mit einem Team der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg untersucht und die Ergebnisse Ende März auf der Internationalen Konferenz der Koreanischen Gesellschaft für Hämatologie (Korean Society of Hematology KSH) in Seoul vorgestellt. Seine Präsentation wurde als der beste mündliche Vortrag ausgezeichnet.

Wenn der programmierte Zelltod, die Apoptose, beeinträchtigt ist

„Der Best Oral Presentation Award ist eine große Ehre für mich“, freut sich Umair Munawar. „Der Preis zeichnet nicht nur meine Art der Präsentation aus, sondern vor allem unsere zukunftsweisende Forschungsarbeit zu Resistenzmechanismen gegenüber Immuntherapien beim Multiplen Myelom.“ Der 31-jährige Molekularbiologe hat mit einem Team aus dem Institut für Translationale Myelomforschung den Beweis geliefert, dass die Auslösung der Apoptose die primäre Wirkungsweise einiger Immuntherapien beim Multiplen Myelom ist. Die Apoptose ist ein programmierter Zelltod. Wenn eine Zelle ihre Funktion verloren hat oder plötzlich für den Organismus schädlich wird, kann sie sich selbst vernichten. Ist dieser Zellselbstmord jedoch beeinträchtigt, können die Tumorzellen selbst dem gezielten Angriff der gentechnisch veränderten Abwehrzellen standhalten.

Zellen ohne Proteine FADD und BID sprachen nicht auf Immuntherapie an

„Um den Resistenzmechanismus zu verstehen, haben wir die Rolle von zwei Proteinen des apoptotischen Weges untersucht, indem wir diese Proteine – FADD und BID – mit Hilfe von genetischen Werkzeugen aus den Krebszellen entfernten und feststellten, dass Zellen ohne diese Proteine nicht auf die Immuntherapie ansprachen. Wir fanden auch heraus, dass Patienten, die nicht auf die Immuntherapie ansprachen, niedrige Werte dieser Proteine aufwiesen, was die Bedeutung dieser Gene für den Erfolg moderner therapeutischer Interventionen hervorhebt“, erklärt Umair Munawar. Generell zeige diese Studie, die im Fachjournal Blood* publiziert wurde, wie bedeutsam personalisierte medizinische Ansätze sind, die die genetische Beschaffenheit der Krebszellen der einzelnen Betroffenen berücksichtigen, um schlussendlich die wirksamsten Behandlungsoptionen zu ermitteln.

Entwicklung wirksamerer und individuell angepasster Behandlungen

Prof. Dr. Martin Kortüm, Leiter des Instituts für Translationale Myelomforschung, ergänzt: „Letztlich können unsere Forschungsergebnisse zur Entwicklung wirksamerer und individuell angepasster Behandlungen für Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom und möglicherweise anderen Krebsarten beitragen, was die Überlebensraten und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern könnte.“

Daher sollen in nachfolgenden Studien die Signalproteine FADD und BID und ihre Beeinflussung der Immuntherapieresistenz weiter untersucht werden. Auch die mögliche Verwendung der Expressionsniveaus von FADD und BID als prädiktive Biomarker für das Ansprechen auf eine Immuntherapie beim Multiplen Myelom soll geprüft werden.

Zur Person:

Dr. Umair Munawar wechselte im Jahr 2017 von der Lahore University of Management Sciences (LUMS) in Pakistan an die Universität Würzburg und promovierte an der Graduate School of Life Sciences. Seit drei Jahren arbeitet er als Post Doc in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Kortüm, dem Inhaber des Lehrstuhls für Translationale Myelomforschung. Kurz vor der Verleihung des „Best Oral Presentation Award“ erhielt der Nachwuchswissenschaftler eine weitere Auszeichnung, und zwar die einmalige Gelegenheit, an der diesjährigen Lindauer Nobelpreisträgertagung teilzunehmen.

*Studie: Umair Munawar, Xiang Zhou, Sabrina Prommersberger, Max Johannes Steinhardt, Julia Mersi, Max Bittrich, Silvia Nerreter, Cornelia Vogt, Eva Teufel, Seungbin Han, Larissa Haertle, Patrick Eiring, Nicole Banholzer, Sophia Danhof, Adrián Fernández-Martín, Marietta Truger, Santiago Barrio, Miguel Gallardo, Antonio Valeri, Eva Castellano, Peter Raab, Claudia Haferlach, Markus Sauer, Michael Hudecek, Joaquin Martinez-Lopez, Hermann Einsele, Leo Rasche, Martin Kortuem; Impaired Death Receptor Signaling Mediates Cross-Resistance to Immunotherapy in MM. Blood 2022; 140 (Supplement 1): 4226–4227. doi: doi.org/10.1182/blood-2022-168702